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Auch das Clubleben leidet unter der Corona-Pandemie. Doch die Porsche Clubs weltweit lassen sich davon nicht stoppen – und haben zahlreiche Initiativen gestartet, die zeigen: Die Porsche Gemeinschaft ist auch als Online-Community unheimlich kreativ. Und solidarisch.

Es ist schon fast zum Ritual geworden, zumindest aber zum fixen Termin im Kalender des Porsche Club México: Mindestens zwei Mal im Monat treffen sich einige der über zweihundert Mitglieder des 1988 gegründeten Clubs zum gemeinsamen Frühstück. Es wird gelacht, sich gefreut und über Alltägliches ausgetauscht. Und natürlich auch über die einende Leidenschaft gefachsimpelt: jene zu Porsche Fahrzeugen. Nicht selten schließt sich an das morgendliche Happening dann eine Ausfahrt an. „Wir haben noch keines dieser Treffen ausfallen lassen“, sagt Juan Pablo Guzman Giraud, seit zwei Monaten Präsident des Porsche Club México.

Dann tauchte das Corona-Virus auf. Und mit ihm: Zum Beispiel das Gebot des Physical Distancing, das Clubtreffen, Mitgliederevents und gemeinsame Ausfahrten derzeit unmöglich macht – zum Wohle der Gesundheit aller selbstredend. Das Ende der mexikanischen Frühstücks-Meetings? Weit gefehlt. Denn Guzman Giraud und dessen „Vize“ Luis Gerardo Garcia Santos machten aus der Not eine Tugend. „Seit Beginn der Corona-Beschränkungen finden unsere Frühstückstreffen nun online statt“, sagt Garcia Santos. Die Resonanz überraschte selbst die Organisatoren: Rund 25 Mitglieder nahmen bei den bisherigen Video-Meetings jeweils teil, Tendenz steigend. Juan Pablo Guzman Giraud ist sich sicher: „Der Zusammenhalt und das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, haben sich nochmals gesteigert. Und alle werden mit noch mehr Enthusiasmus aus der Krise kommen.“

„Der Zusammenhalt und das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, haben sich nochmals gesteigert. Und alle werden mit noch mehr Enthusiasmus aus der Krise kommen.“

Juan Pablo Guzman Giraud, Präsident Porsche Club México


Wenn es im persönlichen Kontakt derzeit nicht geht, muss eben ins Internet ausgewichen werden. Wie viele andere Clubs hat auch der jüngste Porsche Club, der Porsche Club Bosnien und Herzegowina, den Austausch zwischen den Mitgliedern seit Corona in die Online-Sphäre ausgelagert und die SocialMedia-Aktivitäten verstärkt. „Wir haben etwa eine Chatgruppe, in der schon immer viel, aber vor allem momentan ein reger Austausch herrscht“, sagt Clubpräsident Haris Pinjo. Dort werde einerseits mit einem sehnsüchtigen Auge zurückgeblickt, etwa wenn Fotos vergangener Events geteilt werden. Doch auf der anderen Seite schmieden Pinjo und seine Mitstreiter auf der digitalen Spur bereits Pläne für all die Clubaktivitäten, die noch kommen werden. Nach Corona. „Und wir reißen viele Witze“, sagt der Clubpräsident und grinst. „Ich glaube, das hält die Energie und die Begeisterung für unsere gemeinsame Leidenschaft aufrecht. Wir haben zuletzt sogar ein neues Mitglied dazu gewonnen.“

Diese Beispiele stellen nur ein paar von unzähligen dar, die zeigen, wie optimistisch und konstruktiv die Porsche Clubs weltweit auf die Corona-Krise reagieren. Wie sie dem Virus trotzen – auch wenn es das reale Clubleben derzeit größtenteils lahmlegt. Wie sie zusammenstehen – trotz Social Distancing. Wie sie sich unter die Arme greifen – auch ohne direkten Kontakt. Ja, wie sie kreative Aktionen umsetzen und künftige Projekte planen – auch wenn dies momentan nur über das Internet geht. Und wie in ihnen allen die Vorfreude wächst auf die Zeit nach Corona. Wenn die derzeitige Porsche Online-Community wieder zu jenen echten Porsche Clubs werden darf, die sie so unvergleichlich ist. Und das Clubleben wieder in den Clubhäusern, im Cockpit und vor allem auf der Straße stattfinden kann.

Foto-Contest zu Ostern

Auch Haris Pinjo kann’s kaum erwarten, wieder mit seinen Clubfreundinnen und -freunden auf Tour zu gehen. Noch musste er keines der geplanten Clubevents absagen. Anders ist es zum Beispiel Stefan De Clerck und seinen Kollegen ergangen, der sich beim Porsche Classic Club Belgium als Event Manager engagiert. Der belgische Veranstaltungskalender startet traditionell an Ostermontag, das geplante Porsche Clubevent fiel jedoch Corona zum Opfer. Auch die Belgier fanden eine kreative Alternative: einen Foto-Contest zu Ostern. „Damit hatten unsere Mitglieder nicht gerechnet. Umso größer waren die Überraschung und auch die Resonanz“, freut sich Clubpräsident Pascal Pauwels über die vielen fotografischen Einsendungen, die die Porsche Fahrzeuge der Mitglieder oder letztere selbst in kreativem Oster-Motto zeigen. Viele Mitglieder bedankten sich ausdrücklich dafür, dass der Club auch in diesen schwierigen Tagen an sie denkt, berichten die beiden belgischen Clubverantwortlichen.

Die inspirierenden Ergebnisse können hier angesehen werden.

„Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass das ein oder andere Event dieses Jahr noch stattfinden kann“, sagt Stefan De Clerck. Darauf hoffen die Porsche Clubs weltweit – auch Curt Dansby. Der Präsident der US-amerikanischen 356 Registry fürchtet zwar, die diesjährige „West Coast Holiday“ verschieben zu müssen, die Ende August in Bend im Bundesstaat Oregon stattfinden soll. Und doch: Ihren Enthusiasmus lassen sich die amerikanischen Porsche Fans auch vom Corona-Virus nicht rauben – auch wenn kein Land der Welt so sehr unter Covid-19 leidet wie die Vereinigten Staaten. „Wir haben schon über 600 Registrierungen“, berichtet Dansby, der derzeit ebenfalls eine virtuelle Überraschung für die nordamerikanischen 356er-Sympathisanten in Form bringt. Was genau? Das will Dansby noch nicht verraten.


Ähnlich wie seine Kollegen schätzt Benjamin Lam die Lage ein. Auch der Chairman vom Board of Directors des Porsche Club Hong Kong hebt die positiven Nachrichten hervor, die es dieser Tage natürlich ebenfalls gibt. Und worauf womöglich öfter der Blick gerichtet werden muss. Etwa, dass man an einer solch herausfordernden Aufgabe wie einer Pandemie als (Club-) Gemeinschaft wie Gesellschaft wachsen und womöglich gestärkt hervorgehen kann. Die Bürgerinnen und Bürger Hong Kongs wissen, wovon sie sprechen. Schließlich hatte der asiatische Stadtstaat 2003 schon mit dem vorherigen Sars-Virus zu kämpfen. In Hong Kong habe man sich daher in Erinnerung an die „bitteren früheren Erfahrungen“, wie Benjamin Lam sagt, schnell gegenseitig geschützt und unterstützt. Am wichtigsten sei doch, dass man – typisch für das Clubleben – Rücksicht aufeinander nimmt und gegenseitig auf sich aufpasst, findet der Clubpräsident aus Hong Kong, dessen Club in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert. Ob das Jubiläum mit illustren Fahrevents und Gala-Dinner stattfinden kann: noch ungewiss. Benjamin Lam hofft das Beste und hält unterdessen in Chatgruppen, Video-Meetings und über Social Media Kontakt mit seinen Porsche Kolleginnen und Kollegen. Das gleiche Schicksal trifft auch den Porsche Club South Africa und dessen Vize-Präsidenten Karl Illenberger. Eigentlich hatte man vor, im Juni das stolze 50-jährige Bestehen des Clubs im großen Rahmen bei der Porsche Parade South Africa zu feiern. Derzeit plant man, das Jubiläum auf das Jahresende zu legen. Aber auch in schwierigen Zeiten lässt der Club in seiner sozialen Verantwortung nicht nach. „Momentan arbeiten wir an der Durchführbarkeit eines Rennstreckentages mit Heimkindern. Auch die benötigen ein wenig Licht in diesen dunklen Tagen.“

„Unsere Leidenschaft werden wir uns solange beibehalten, bis der Moment gekommen ist, dass wir dieser wieder nachgehen dürfen.“

Andrea Gruppach, Präsident der Federazione Italiana Porsche Club

Vorfreude „ist mächtig“

Auch Erwin Pfeiffer vom Porsche Club Isartal-München, Event- und Touringleiter des Porsche Club Deutschland, und Fritz Letters, Präsident des Porsche Club Schwaben und Vorstand des deutschen Dachverbandes bleiben in Chatgruppen, Video-Meetings und über Social Media in Kontakt mit ihren Kollegen der deutschen Clubs. In vielen Telefonaten und Mails gehe es dabei nicht nur um Organisatorisches. „Sondern oft einfach nur ums Miteinanderreden“, sagt Erwin Pfeiffer. Um gegenseitige Solidarität. Die Verantwortlichen des deutschen Dachverbands nutzen die ruhige Zeit, um Projekte voranzubringen, die „on hold“ waren. „Wir planen, planen, planen“, sagt Pfeiffer. Man bringe etwa die Homepage auf Vordermann, organisiere künftige Veranstaltungen, habe auch ansonsten zahlreiche Ideen für die kommenden Wochen, berichtet Fritz Letters. Und fährt von Zeit zu Zeit den eigenen Porsche aus. „Wer nun gezwungenermaßen alleine durch die Gegend düst, kann die Routenerfahrungen dokumentieren“, betont Letters. Sobald Corona überstanden ist und das Clubleben wieder beginnt, „können wir die ein oder andere Tour dann gemeinsam fahren“, so der Deutsche. „Jedenfalls ist die Vorfreude aufs Fahren mächtig. Nicht weniger wichtig ist aber auch das Wiedersehen.“


Ein Porsche Quiz haben derweil die Verantwortlichen des Porsche Club Singapore um dessen Präsidenten Leon Z. Liu auf Facebook „gelaunched“. Die Mitglieder müssen dann zum Beispiel den Namen des Fantasie-Raumschiffs herausfinden, das die Designer der Porsche AG gemeinsam mit Lucasfilm Ltd. zum Film „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ in Weissach und San Francisco entwarfen und im Dezember 2019 in Los Angeles präsentierten (es war natürlich der „Tri-Wing S-91x Pegasus Starfighter“).

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Besonders früh und besonders stark waren die Italiener vom Corona-Virus betroffen. Das oberste Gebot, um sich und andere zu schützen: nach Möglichkeit zuhause bleiben. Dabei muss der Porsche nicht komplett zu kurz kommen, dachte sich Andrea Gruppach, Präsident der Federazione Italiana Porsche Club. Also riefen seine Kollegen und er den Fotowettbewerb #AncheLaMiaPorscheRestaACasa ins Leben. Die Aufgabe: das eigene Fahrzeug in der Garage bestmöglich in Szene zu setzen. So versuche man, die schwierige Zeit zu überbrücken und den Clubgedanken trotzdem gedeihen zu lassen, sagt der Italiener. „Wir hoffen, dass im zweiten Halbjahr das ein oder andere Event stattfinden kann.“ Die Gesundheit gehe aber bei allen, gewiss hoffnungsvollen Überlegungen vor. Schließlich ist an keinem das Leid spurlos vorbeigegangen, welches das Virus in Italien, Europa und auf der ganzen Erde verursachte. Gerade Norditalien war besonders betroffen. Man werde deshalb ganz genau prüfen, ab wann es künftig wieder möglich ist, eine Veranstaltung auszutragen, und dabei wie gewohnt auch die Mitglieder miteinbeziehen, so Gruppach. „Unsere Leidenschaft werden wir uns solange beibehalten, bis der Moment gekommen ist, dass wir dieser wieder nachgehen dürfen.“

„Das Herz unseres Clubs ist die Gemeinschaft, man hält zusammen wie in einer Familie. Wir helfen uns gegenseitig.“

Edwina Pike, Vorsitzende des Porsche Club Great Britain


Wenn man sich unter den Clubvertretern weltweit umhört, fällt vor allem eines auf: Geschlossen betonen sie die gesellschaftliche Verantwortung, der eine so starke, transnationale und weltweite Community wie die der Porsche Clubs in solch schwierigen Zeiten nachkommen möchte. Besonders eindrücklich zeigt sich dies auch beim Porsche Club Great Britain. „Das Herz unseres Clubs ist die Gemeinschaft, man hält zusammen wie in einer Familie“, sagt Edwina Pike. „Wir sind schließlich Freunde.“ Und deshalb rief die britische Clubpräsidentin mit ihren Mitstreitern unzählige virtuelle Events ins Leben: zum Beispiel ein ins Internet ausgelagertes „Pub Quiz“ oder spielerische Online-Veranstaltungen mit so kreativen Titeln wie „Dream Garage“, „Cayman Clinic“, „Porsche Night not at Ace Café“. Aber zum Beispiel auch Online-Fotokurse, in denen Clubmitglieder ihren Kolleginnen und Kollegen beibringen, wie man den eigenen Porsche fotografisch bestmöglich in Szene setzt. „Fast jeden Abend haben wir solche virtuellen Events“, berichtet Ed Pike. Das Clubleben: „Stärker als je zuvor“, beteuert sie. „Der Zusammenhalt ist enorm. Wir helfen uns gegenseitig“, dazu zähle auch der private Bereich, keine Frage.

Gesellschaftliche Verantwortung: Spenden für Tests

Das kann Carlos Pinelo Sisniega nur bestätigen. „Uns ist wichtig, dass sich unsere Clubmitglieder in dieser schwierigen Zeit nicht alleingelassen fühlen“, sagt der Präsident des Porsche Club Guatemala. Deshalb sei regelmäßige Kommunikation enorm wichtig – gerade in Corona-Zeiten. Und diese wirkt offenbar: Er spürt, wie die aktuell gewiss nicht angenehmen Umstände die Clubgemeinschaft noch mal zusammenschweißen. „Das Gefühl gegenseitiger Solidarität eint uns alle“, erklärt der Zentralamerikaner, der kürzlich ebenfalls ein neues Clubmitglied begrüßen durfte. „Deswegen haben wir Spenden gesammelt, um das nationale Gesundheitssystem zu unterstützen.“ Und damit das gesellschaftliche Miteinander. Die gegenseitige Solidarität ragt nicht nur in Krisenzeiten über die Clubgrenze hinaus.

„Uns ist wichtig, dass sich unsere Clubmitglieder in dieser schwierigen Zeit nicht alleingelassen fühlen.“

Carlos Pinelo Sisniega, Präsident Porsche Club Guatemala


Noch keine zwei Jahre jung ist der Porsche Club Andino. Auch die Chilenen haben glänzend auf die Corona-Trockenzeit reagiert und eine tolle Initiative gestartet: Wie Vizepräsident Willem Schol berichtet, unternimmt der Club mit seinen Online-Followern seit einigen Wochen regelmäßig virtuelle Rundgänge. So haben die Südamerikaner zum Beispiel bereits die Sammlung eines bekannten Clubmitglieds in Santiago virtuell begutachtet. Auch ein Besuch bei einem deutschen Unternehmen stand schon auf dem Programm. 80 Personen nahmen zuletzt teil, berichtet Willem Schol. Und zwar nicht nur eigene Clubmitglieder, sondern auch das Gros der lateinamerikanischen Clubpräsidenten.

Satoshi Itano vom Porsche Club Japan betont, wie wichtig der gegenseitige Austausch in diesen Tagen ist. „Es ist eine schwierige Situation für uns alle. Miteinander zu sprechen ist derzeit der einzige Weg, Emotionen zu transportieren.“ Itano, der die eigene, regulär in wenigen Tagen stattfindende Porsche Parade wegen der Corona-Ausbreitung zunächst absagen musste, möchte den Clubs im japanischen Dachverband raten, die Mitgliedsbeiträge im kommenden Jahr zu reduzieren. So sieht Zusammenhalt aus.

Apropos Emotionen, die einen beim Gedanken ans Clubleben und die Porsche Veranstaltungen unweigerlich einnehmen – die konnte der Porsche Club of America beeindruckend mit einem Video einfangen, das er an seine Mitglieder in den USA richtete. In „Keep PCA alive“ und dem Hashtag #PCATogether zeigen die Amerikaner wunderschöne Ausschnitte von bisherigen Events, zudem richtet PCA-Präsident Tom Gorsuch und Klaus Zellmer, CEO von Porsche Cars North America, leidenschaftliche Worte an die Clubmitglieder.

Hier geht’s zum Video


Nun ist es dennoch so: Kein Online-Event und keine Videokonferenz kann die inspirierenden Gespräche, unterhaltsamen Anekdoten und unvergesslichen Momente ersetzen, die sich einem bei einer Ausfahrt mit den Freunden seines Porsche Clubs oder bei einem Clubtreffen auftun. Gewiss nicht. Und doch zeigen die Porsche Clubs weltweit mit ihren zahlreichen Initiativen, dass sie auch als Online-Community eine echte Gemeinschaft darstellen. Eine internationale Familie, die Halt gibt und auf die man sich verlassen kann – in guten wie in Corona-Zeiten.

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