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Mit seinen 16 Jahren ist Mateo Llarena Rosenthal der jüngste Rennfahrer in der Geschichte des Porsche Mobil 1 Supercups. Und: Mateo ist ein begeistertes Clubmitglied des Porsche Club Guatemala.

Mathias Menner vom Porsche Community Management empfing das Clubmitglied aus Guatemala im Herzen der Porsche Welt. Damit erfüllte Menner, der auch als Clubbetreuer für die lateinamerikanischen Clubs verantwortlich ist, dem jungen Rennfahrer einen ganz besonderen Herzenswunsch: eine persönliche Führung durch das Museum und den Besuch des nicht-öffentlichen Fahrzeuglagers der Porsche Sammlung.

Für Mateo Llarena und Betreuer John Paul Hazbun war es der erste Besuch in Stuttgart überhaupt; von hier aus steuern sie ihre Vorbereitungen für die Supercup-Rennen. „Hier im Casino zu stehen und zu wissen, nachher geht es ins Porsche Museum und in das Porsche Fahrzeuglager, ist wie ein Traum, der wahr wird“, freut sich Mateo über die seltene Möglichkeit, die riesige Sammlung hinter dem Museum zu sehen. Clubbetreuer Mathias Menner hatte auch wirklich alle Hebel für seine lateinamerikanischen Clubfreunde in Bewegung gesetzt. Herzlich willkommen in der Zuffenhausener Porsche Familie.

Junges Talent ganz oben: Mateo Llarena mit Coach John Paul Hazbun im Herzen der Porsche Welt

Mateo Llarena: 16 Jahre alt, ein Rookie mit Erfahrung

„Eigentlich bin ich schon eine ganze Strecke lang im Motorsport unterwegs. Und Porsche begleitet mich auch schon seit Ewigkeiten“, erzählt uns Mateo bei seinem Besuch von seiner jungen, aber bewegten Rennsportkarriere. „Mit vier fing ich mit Karting an. Mit zwölf saß ich im ersten echten Rennwagen auf der Rennstrecke.“ Langsam entwickelte sich nicht nur eine Rennsportkarriere, sondern auch eine intensive Leidenschaft für Porsche Rennsportfahrzeuge. Seinen ersten Einsatz in einem GT3 Cup-Fahrzeug hatte der Youngster bereits in der Saison 2018 in Argentinien – mit damals 14 Jahren. „Ein großartiges Erlebnis“, berichtet er. „Und dann kam 2019 ein tolles Jahr mit Rennen in den USA und in Brasilien.“ Im gleichen Jahr hätte er beim letzten Supercup-Event auf dem Hermanos Rodriguez Racetrack teilnehmen können. Doch in letzter Minute musste Mateo das Rennen aus Reglementsgründen absagen: Er war zu jung. Oliver Schwab, Projektleiter des Supercups, lud ihn stattdessen nach Weissach ein, nahm ihn ins Rookie-Programm für die Saison 2020 auf und mit dem MRS-Racing-Team fand Mateo den passenden Partner. „Was für eine Chance: Ich werde mit meinen 16 Jahren der jüngste Fahrer in der Supercup-Geschichte sein.“


Lernen von den Großen: Mateo Llarena mit Legenden im Porsche Museum

Das Clubmitglied: „Der Club ist meine Familie“

Seine Liebe zu Porsche Fahrzeugen kommt nicht von ungefähr. Vater Rinaldo Llarena war einer der ersten Clubmitglieder des Porsche Club Guatemala. Den ersten Porsche, einen 1990er 964 Carrera 4, kaufte er sich just in dem Jahr, in dem Mateo geboren wurde. „Ich kann mich noch ganz genau an das Auto erinnern: vor allem an den Geruch des klassischen 911ers“, berichtet der junge Porsche Fan. „Mein Vater hat mich als ,Kiddie‘ zu den Clubtreffen mitgenommen. Das sind meine ersten Erinnerungen: der Porsche, der Geruch, die Treffen, die Autos und die Clubmitglieder.“

Auch daran, wie der Club sich veränderte und größer wurde, kann sich Mateo erinnern. Seit 2002 ist der Club offiziell anerkannt und wurde unter Clubpräsident Carlos Pinelo Sisniega zu einer Größe im lateinamerikanischen Markt. „Obwohl ich damals ja klein war, weiß ich noch, wie immer mehr Porsche Enthusiasten dazu kamen. Ich kenne viele im Club, und die kennen mich schon als Einjährigen und begrüßen mich immer mit ,Hey, dich kenn ich noch als ganz kleiner Knirps!‘“

Und nachdem der ganze Club natürlich die Rennsportaktivitäten seines Rookie-Mitglieds genauestens verfolgt, schlug Präsident Pinelo Sisniega seinem Schützling vor, das Clublogo aufs Fahrzeug zu nehmen. „Mateo, unsere Clubmitglieder würden sich freuen“, erklärte der Clubpräsident. „Und dann haben wir die Werbung für ,visitguatemala.com‘ auch gleich noch mit drauf genommen. Das ist doch eine gute Werbung für unser Land und unseren Porsche Club“, ergänzt Mateo. „Und ich fahre gern mit dem Porsche Clublogo auf der Fronthaube.“ Es ist sein Club. Und er ist ihm wichtig. „Die meisten Clubmitglieder sind für mich Freunde. Sie verfolgen auf Instagram und Facebook, was ich hier drüben in Europa treibe, wie es mir ergeht, fiebern bei den Rennen mit“, erzählt Mateo. „Wir sind ständig in Kontakt. Sie unterstützen mich. Sie sind meine Familie.“

Der Coach und das Ziel: Erfahrung sammeln

John Paul Hazbun begleitet Mateos Europatournee als dessen Coach. John Paul ist selbst Rennfahrer und hat für Mateo zusammen mit seinem Bruder die ersten beiden Cup-Fahrzeuge aufgebaut. Hazbuns Ziel: „Mateo soll in ganz kurzer Zeit ganz viel Wissen und Erfahrung sammeln.“

Denn die Praxis ist im Motorsport natürlich essentiell, wie Hazbun nicht nur aus seiner Erfahrung als ausgebildeter und lizenzierter Porsche Racing Instructor weiß. „Du musst die Fahrwerksabstimmung verstehen, dich mit dem Motor auskennen, der Schaltung. Wenn irgend etwas nach Flüssigkeit riecht, musst du wissen: Ist das Öl, riecht es nach Plastik, Metall, Bremsen, nach Leitungen“, sagt Hazbun. Viele Rennfahrer seien einfach nur schnell, hätten aber „wenig Plan vom Fahrzeug“, so der erfahrene Pilot und Ausbilder. „Das ist aber nicht das, was wir mit Mateo wollen. Wir wollen, dass er auf der einen Seite ganz schnell viel über Stints lernt, zeitgleich aber auch darüber, wie man Dinge abstimmt, diagnostiziert und verändert.“

So schauen Mateos Betreuer nicht ausschließlich auf dessen gefahrene Zeiten, sondern darauf, wie sich die Abstände auf die Führenden verändern. „Mateo kennt die Rennstrecken nicht, alles ist neu für ihn“, erklärt John Paul. In Österreich haben sie vor dem Start der Serie zwei Testtage bekommen. Mateo wurde mit jeder Runde schneller. Doch im Supercup wird es Rennen geben, in denen ihm die Rennstrecke vollkommen unbekannt sein wird. Da werden dann seine „First practices“ auch die ersten Runden auf der Rennstrecke sein.

Auch Mateo kennt die Herausforderung. „Du kannst dich natürlich mit Videos und im Simulator auf die Rennstrecken vorbereiten. Aber dann, wenn du zum ersten Mal auf der Rennstrecke stehst, sieht alles anders aus“, weiß der 16-Jährige. „Du entdeckst viele neue Details, siehst zum ersten Mal die Höhenunterschiede in wirklicher Relation. Erst jetzt kannst du lernen, wann du die Bremspunkte setzt, kannst dein Tempo für Steigungen und Gefälle festlegen.“

Backstage: Nach dem Porsche Museum schaute Llarena und Hazbun noch bei Alexander Klein in der Porsche Sammlung vorbei

Die Konkurrenz: Welpenschutz

Im Supercup fahren 35 Fahrer. Alle Platzierungen im Bereich bis Rang 15 sind Top-Ergebnisse. „Da reinzukommen ist ein hartes Stück Arbeit“, räumt Mateo offen ein. „Aber wir nehmen jedes Rennen als neue Erfahrung an. Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben.“

Nervosität kennt er dabei nicht. „Die habe ich gegen Vorfreude eingetauscht. Die Nervosität gebe ich gerne an die anderen ab“, sagt Mateo. „Ich will einfach Rennen fahren.“ Zumal er als Rookie ohne belastenden Druck auf den Schultern an den Start gehen kann. Niemand misst ihn an den Erfolgen des Vorjahres. Natürlich genießt er im Moment viel Aufmerksamkeit. Bei Mateo kommen auch viele „First times“ zusammen: erster 16-Jähriger im Supercup, erster Rennfahrer aus Guatemala, erste Saison auf dem 991, das Rookie-Sonderprogramm bei Porsche. Die Fachleute und Experten haben Mateo im Blick. Seine Clubfreunde ebenfalls.

Mateo fährt für das MRS-Team von Karsten Molitor. Im Supercup hat es drei Fahrer und Fahrzeuge im Einsatz: Mateo Llarena (Startnummer 14), Jukka Honkavuori (15) und Laurin Heinrich (16). Der Einsatz von Mateo ist auch für das Team eine Herausforderung. „Eigentlich könnte ich es ja verstehen: Wer gibt schon einem 16-Jährigen ein Cup-Fahrzeug? Aber die Verantwortlichen beobachten mich schon eine ganze Weile und wissen, dass ich mit dem Fahrzeug auf der Rennstrecke keine Dummheiten veranstalte.“

John Paul nickt, wenn er das hört. „Ich sage immer: Mateo, du musst nicht der Schnellste sein“, ergänzt der Coach. „Bleib‘ auf der Strecke. Alles andere kommt mit der Zeit.“ Auch die schnellen Rundenzeiten. „Und mach' verdammt noch mal das Auto nicht kaputt. Sorge für dein Fahrzeug.“

Mateo Llarena (zweiter von links) mit John Paul Hazbun und Alexander Klein, sowie Mathias Menner vom Porsche Community Management (links)

Tech Talk: Die Cup-Elfer.

Was ist nun der große Unterschied zwischen einem GT3-Straßenfahrzeug und einem Cup-Fahrzeug? Oder sind beide vergleichbar? Mateo muss es wissen. Er konnte schon einen GT3 auf der Rennstrecke fahren. „Wirklich, beide tragen die gleiche DNA in sich“, beteuert er. Letztlich sei es bei Porsche so: „Man versucht das, was man auf der Rennstrecke im Einsatz hat, auch im Straßenfahrzeug einzusetzen. Das ist die eigentliche Verbindung zwischen den beiden Fahrzeugen. Auf der Rennstrecke sind sie sich sehr ähnlich.“


Natürlich gibt es Unterschiede, wenngleich der Motor der gleiche ist: das Vier-Liter-Aggregat. „Im Supercup verwenden wir ein anderes Getriebe und eine andere Abgasanlage. Dann machen natürlich die Slicks einen großen Unterschied. Dann hat man nur einen Sitz. Im GT3 RS hat man Traction Management, ABS, Hinterachslenkung und viele elektronische Systeme an Bord“, zählt der Lateinamerikaner auf. „Im Cup-Fahrzeug hast du im Supercup und im Carrera Cup Deutschland keine Traction Control und kein ABS.“ Fazit: gleiche DNA, gleiche Performance, aber ohne Hilfssysteme. Puristisches Racing eben.

An den Moment, das erste Mal in einem Cup-Fahrzeug zu sitzen, erinnert sich Mateo gerne. „Das war unbeschreiblich“, sagt er. „Der enorme Grip, wie das Fahrzeug bremst, der Sound.“ Als Porsche Enthusiast könne man sofort ein Cup-Fahrzeug als Porsche identifizieren. „Einfach am Sound. Du spürst, dass er etwas Besonderes ist. Nicht nur ein Fahrzeug. Du spürst die jahrzehntelange Motorsport-Tradition in jedem Detail, durch das ganze Fahrzeug hindurch. Porsche war schon immer Pionier im Motorsport und das steckt bis zum heutigen Tage in diesen Fahrzeugen.“

In seiner kurzen Laufbahn konnte Mateo bisher alle Generationen der Cup-Elfer fahren. In Guatemala saß er am Steuer eines Typ 996. In Argentinien war es dann ein Typ 997 und nun hier in Europa fährt er den Typ 991. „Da kannst du dann auch sehen, wie sich die Fahrzeuge entwickelt haben. Du siehst, was Porsche beibehält und was geändert wird, weil es sich dadurch zum Besseren verändert.“ Beim Typ 991 gefällt ihm natürlich die Performance, aber ganz ehrlich Mateo, welcher ist der Beste? „Mein Liebling ist der 997. Er ist einfach puristisch.“

Racing: On the Road and on the Track

Nach den Testrunden in Hockenheim und Österreich standen die ersten Rennen im Supercup an: Spielberg mit Rennen 1 und Rennen 2 gleich im Doppelpack, dann der Hungaroring – Silverstone, Barcelona, Spa und Monza folgen. Ein eng getakteter Fahrplan: Mateo und John Paul bleiben die ganze Saison über in Europa.

Heimweh kennt der junge Racer nicht. Dazu hat man auf der Überholspur auch keine Zeit. „Heimweh hat man doch nur dann, wenn man über nichts anderes nachdenken kann. Ich habe hier so viele Dinge zu erledigen. Jeder Tag bringt etwas Neues.“

Kontakt hält er zur Familie über WhatsApp, die Freunde sind aus der guatemaltekischen Heimat online dabei; Mateo berichtet live über seinen Instagram-Account und über Facebook; mit dem Porsche Werksfahrer Matteo Cairoli hat er nicht nur jemanden, der ihm beim Lesen der Tracks hilft, sondern auch einen guten Freund gefunden.

„Der tollste Moment bisher war definitiv die erste Runde: Du bist hier in Europa. Du bist auf einer Rennstrecke. Sitzt in einem Cup-Fahrzeug. Um dich herum sind die ganzen anderen Fahrer und Fahrzeuge“, sagt Mateo. „Dann kapierst du, du bist hier im Supercup. Es wurde wahr. Die erste Runde ist die, an die du dich immer erinnern wirst.“

Der Rest ist warten auf die nächste grüne Flagge.

Info: Mateo Llarena Rosenthal

2009 gewinnt er im Alter von fünf Jahren den dritten Platz in der Kart-Kategorie der Pan American Championship. Einige Rennen später, inklusive des „Easykart World Champion“-Finals und mehreren nationalen Titeln, wird der junge Lateinamerikaner 2014 Preisträger des FIA-Awards in der Kategorie „Sport Junior“. Papa Rinaldo Llarena, als leitender Angestellter des guatemaltekischen Porsche Importeurs nicht ganz unschuldig an der Rennaffinität des Sprösslings, wirft seinen Youngster im selben Jahr schließlich „in die Höhle des Löwen“: Im Toyota Yaris Cup steht Mateo Llarena Rosenthal zweimal auf dem Podium, fährt in der Formula 4 Nacam in Mexico, holt die heimische GTR-Meisterschaft, fährt in der GT3 Cup Trophy in Argentinien und im GT3 Carrera Cup Brazil, dazu Rennen in Miami und Daytona. Kurz darauf tritt er bei den Three Hours of Costa Rica an, gewinnt die GT2-Kategorie des „Sport Car Club of America“ und wird Vierter in der „Trans Am Super GT“-Klasse in Daytona. 2019 darf er wieder einen FIA-Award in den Händen halten: dieses Mal in der Kategorie „Motorsport“ als Sportler des Jahres.

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