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Der erste Sportwagen mit dem Namen Porsche wurde inmitten grüner Felder, Wald und Wiesen gebaut – in Gmünd in Kärnten. In schwierigen Zeiten verfolgte Ferry Porsche einen Traum und begründete damit eine Erfolgsgeschichte.

Gmünd in Kärnten: Erwin Komenda, Ferry Porsche und Professor Ferdinand Porsche (l.n.r.)


Schon lange hatte Ferry Porsche die Idee eines eigenen Sportwagens begeistert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde diese Vision des perfekten Sportwagens, der den Familiennamen tragen sollte, konkreter. Im Frühjahr 1947 formulierte er erstmals Überlegungen zum Bau eines auf Teilen des Volkswagens basierenden Sportwagens. Sein erster Name: „VW-Sport“, seine Konstruktionsnummer: 356.

Wenig später wurde der erste Sportwagen mit dem Namen Porsche gefahren – geplant, entworfen und gebaut im österreichischen Gmünd. Am 8. Juni 1948 erhielt der mit der Fahrgestellnummer 356-001 versehene Mittelmotor-Sportwagen den offiziellen Segen der Behörden durch die allgemeine Betriebserlaubnis der Kärntner Landesregierung. Seither gilt dieses Datum als die Geburtsstunde der Marke Porsche.

Und warum Gmünd?

Im Oktober 1944 waren erstmals Bomben auf das Gelände des Konstruktionsbüros der Dr. Ing. h.c. F. Porsche KG in Stuttgart gefallen – was den damaligen Reichsminister für Rüstung dazu veranlasste, den sofortigen Umzug anzuordnen. Ferry Porsche zog es zunächst nach Zell am See, wo die Familie ein Anwesen – das Schüttgut – besaß. Da dort der Platz knapp war, wurde der Firmensitz nach Gmünd verlegt. Der von Wäldern, Wiesen und Feldern umsäumte Ort in Kärnten war damals weit entfernt von den Wirren der Welt und war nur über eine Strecke von Klagenfurt im Süden aus erreichbar. Im November 1944 arbeitete bereits rund die Hälfte der Porsche Mitarbeiter in und rund um das stillgelegte Sägewerk.

Nach dem Krieg 1946 wagte Ferry Porsche – Vater Ferdinand war in französischer Kriegsgefangenschaft – den Neuanfang. Mit der Konstruktion von Traktoren, Mähfingern und Seilwinden hielt sich die junge Firma über Wasser, ein Entwicklungsauftrag für die italienische Rennwagenschmiede Cisitalia sorgte für den finanziellen Spielraum, um den Traum eines Porsche Sportwagens zu verwirklichen. Am 11. Juni 1947 entstand die erste Konstruktionszeichnung mit der Projektnummer 356.49.001. Zu Beginn des Jahres 1948 war ein fahrbereites Fahrgestell mit Gitterrohrrahmen fertig, ein Roadster-Aufbau aus Aluminium kam später dazu.

„Jüngster Spross eines großen Namens“

Wenige Monate später fuhr der Sportwagen mit der internen Typenbezeichnung „VW-Sport 356/1“ auf Kärntner Straßen – und trug das berühmte Kennzeichen K45 286. Schon im Juli 1948 meisterte der Neuling seine erste Bewährungsprobe. Beim Innsbrucker Tagesrennen zeigte der Porsche 356 „Nr. 1“ Roadster eine schnelle Demonstrationsrunde, die Beobachter waren beeindruckt vom nur 3,86 Meter langen Leichtgewicht, das weniger als 600 Kilogramm wog. Die „Automobil Revue“ schrieb am 7. Juli 1948 den ersten Pressebericht über den „jüngsten Spross eines großen Namens“. Der Roadster mit Mittelmotor – 1,1 Liter Hubraum, 35 PS stark – läutete legendäre Sportwagen-Geschichte ein.

Porsche 356/2 Gmünd Coupé auf dem Werksgelände in Gmünd, 1948

Noch 1948, bereits parallel zur Entstehung des 356 „Nr. 1“ Roadster, lief in Gmünd die Produktion einer Kleinserie des Porsche 356/2 an, der luftgekühlte Vierzylinder-Boxermotor wanderte nun erstmals ins Heck. Bis 1950 entstanden in Gmünd insgesamt 52 Exemplare in Handarbeit. Wie bereits der Porsche mit der Fahrgestellnummer 356-001 gingen auch die ersten fünf Porsche 356/2 in die Schweiz. Der Export spielte von Anfang an eine große Rolle. Auch, als der Typ 356 ab 1950 in Zuffenhausen produziert und von dort in der Folge die einzigartige Erfolgsgeschichte der Marke Porsche weitergeschrieben wurde.

Ferry Porsche im Porsche 356 „Nr.1“ Roadster

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