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Mitte Juli kam es in Teilen Belgiens und Frankreichs, in den Niederlanden, in Luxemburg und Deutschland zu extremen Unwettern. Innerhalb von 24 Stunden fielen 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter. Der Großteil der Wassermassen prasselte in einem kurzen Zeitfenster von zehn bis 18 Stunden herab. Die betroffenen Regionen wurden von massiven Sturzfluten und Überschwemmungen heimgesucht.

Besonders betroffen ist hierzulande der rheinland-pfälzische Landkreis Ahrweiler in der Eifel, rund eine halbe Stunde nördlich des Nürburgrings: Dort starben mindestens 133 Menschen, mehr als 700 Menschen wurden verletzt, 73 werden noch vermisst. Tausende sind obdachlos und hunderte Gebäude von den Fluten weggerissen, Existenzen vernichtet. Die außer Kontrolle geratenen Wassermassen der Ahr überschwemmten in unvorhersehbarer Plötzlichkeit fast 200 Hektar Fläche, zerstörten Häuser, Bahnstrecken und Straßen, rissen Brücken, Mobilfunkmasten mit sich, durchbrachen die Gas-, Strom- und Wasserversorgung und mündeten in Tragödien und Leid.

In den vier Wochen seit der Katastrophennacht waren neben den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsdiensten sowie Technischem Hilfswerk tausende freiwillige Bürgerinnen und Bürger im Einsatz. Darunter auch der Porsche Club Nürburgring mit Clubmitgliedern und -freunden.

Der Club steht in der Verantwortung

„Wir haben als Porsche Club Nürburgring eine Verpflichtung gegenüber der Region“, erklärt uns Frank Mischlich, Präsident des Clubs und treibende Kraft hinter der Clubhilfe. „Wir dürfen zwei Namen auf der Brust tragen, die uns viel bedeuten. Der Nürburgring hat uns als Club in all den Jahren unglaublich viel gegeben. Er hat uns beschenkt. Und ein Club, der den Nürburgring genießt, muss auch zur Region halten, wenn es der Region mal nicht so gut geht“, sagt Mischlich. „Da muss man nicht darüber nachdenken. Da packt man an.“

Am Samstag nach der Katastrophe fährt Mischlich also mit fünf Clubmitgliedern und zwei Freunden in die betroffene Region: in Arbeitskleidung, mit Hacke und Schaufel. „Wir sind einfach zum Ahrtal gefahren und ins nächste Dorf. Da waren Menschen, die sagten: Euch schickt der Himmel! So dringend wurde dort Hilfe benötigt. In jedem Haus.“ Samstag und Sonntag packten sie an. Auf der Rückfahrt war dann erst einmal Stille im Auto. „Die Leute, denen wir geholfen haben, die hatten einfach rein gar nichts mehr. Da war alles weg. Das Haus – weg, alles, was im Haus war – weg: keine Kleidung, keine Zahnbürste“, erzählt der Clubpräsidenten, noch immer mitgenommen von den Bildern der Verwüstungen. Er berichtet von Nachbarn, die nicht mehr da sind, Bekannten, die vermisst werden, ganzen Familien, die ausgelöscht wurden, dann sagt Mischlich: „Da war uns klar: Wir müssen da als Club was machen. Und die Leute benötigen nicht nur tatkräftige Hilfe mit Schaufel und Eimer, die Leute werden auch Geld brauchen.“

Frank Mischlich spricht sich mit seinen engsten Clubmitgliedern ab, ruft zum Spenden auf. Aber man will nicht auf die schnell eingerichteten Spendenkonten der Hilfsorganisationen überweisen, man will das Heft selber in der Hand behalten und den Menschen direkt vor Ort in größter Not helfen – so schnell es geht und wenn es sein muss, mit dem Umschlag in der Hand. Alle im Club und im weiteren Bekanntenkreis ziehen mit. Momentan bewegt sich die Spendensumme des Clubs bei runden 70.000 Euro. „Aber wir wollen weitermachen. Wir versuchen, bis Ende nächsten Jahres an die 100.000 Euro zu kommen. Die Betroffenen sollen nicht nur jetzt eine schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommen, sondern auch noch nächstes Jahr. Die Zahlungen sollen weitergehen.“

Mischlich und seinen Mitstreiter fragen sich bei Feuerwehr, Gemeinderat, bei Ortsvorstehenden und bei den Betroffenen nach Bedürftigen durch. Man kommt schnell ins Gespräch, erfährt, wer dringend Hilfe benötigt, wem direkt und sofort geholfen werden muss. „Das sind ja teils Dörfer mit 20 Häusern, da kennt jeder jeden, da weiß jeder, wem es hier schon vorher an Geld fehlte. Das sind die Leute, denen wir helfen wollen, an die wir herankommen möchten.“

Er weiß, es gibt neben den Betroffenen, die sich selber helfen können, viele Bedürftige. „Es konnte ja an vielen Orten gar keine erweiterte Elementarversicherung abgeschlossen werden. Einfach weil das aufgrund der Gefahrensituation gar nicht mehr angeboten wurde. Oder weil die Leute es sich nicht leisten konnten“, berichtet der Clubpräsident. „Die stehen jetzt wirklich vor dem Aus.“

Mit Beträgen um die 3.000 Euro versucht der Club den Menschen zu helfen, um erst mal wieder in den Tritt zu kommen, das Notwendigste anzuschaffen, oder einfach auch nur mal wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. „Damit konnte eine alleinerziehende Mutter wieder Kleidung für ihre Kinder kaufen und was Vernünftiges zum Essen.“ Eine betagte Dame, kinderlos und damit ohne helfende Hand, habe mit den Spenden ihre Notunterkunft mit Haushaltsgegenständen ausstatten können, so Mischlich, der das Clubziel so umreißt: Pro Woche wolle man drei bedürftige Familien finden und ihnen direkt Geld überweisen.

Schnell, zielgerichtet und effektiv das Motto, zumal die staatlichen Hilfszahlungen Berichten zufolge nur schleppend ankommen und die Betroffenen teils keine Möglichkeit haben, im Internet die Hilfen zu beantragen. Wie auch, es gibt nach wie vor keine funktionierende Infrastruktur und viele ältere Menschen sind mit den Online-Vorgängen schlicht überfordert. „Diese fassungslose Dankbarkeit, die wir da erleben, zeigt, dass wir den richtigen Weg gehen. Wir agieren nicht nach dem Gießkannenprinizp, das darf der Staat machen.“

Mischlich und seine Mitstreiter sind mehrmals die Woche im Krisengebiet. Man wechselt sich ab. Für ihn und den Club ist es ein längerfristiges Engagement. „Das alles wird ja noch dauern. Die Leute wissen nicht, wie lange sie in den Notunterkünften sein müssen, welche Häuser überhaupt wieder bezogen werden können. Und wenn, dann müssen ja auch die Handwerker da sein, die Baumaterialien, Heizungen für 23.000 Haushalte, Neuaufbau der Stromversorgung, der Kanalisation, der Gasversorgung.“

Er ist überzeugt, dass der Club den richtigen Weg geht, auch wenn der aufwändig ist. „Es gibt einfach Zeiten, da ist Zurückgeben angesagt, ob mit Geld, Arbeit oder Zeit. Wir haben doch alle hier von der Region profitiert.“ Wie lange das alles geht, da fehlt Mischlich die Vorstellungskraft. Aufgeben wird er aber nicht.

Die 60-Jahr-Feier findet statt

Im Oktober will Mischlich mit seinem Club das 60-jährige Clubjubiläum feiern. Im großen Rahmen und auf dem Nürburgring. Natürlich hat er sich Gedanken gemacht, ob es angebracht ist, zu feiern und Spaß zu haben, wenn um einen herum Leid und Not vorherrscht. Auch von den Teilnehmenden hat er Anfragen bekommen, wie man nun mit der Situation umgehen soll. „Wir hier in der Region halten doch eh schon alle zusammen, wir helfen den Leuten so gut es geht, und das über den Tag hinaus. Gemeinsam mit VLN und der Nürburgring GmbH haben wir uns dazu entschlossen, die Veranstaltung zum Anlass zu nehmen, um zum Spenden aufzurufen.“ Die Veranstaltung soll auch ein Zeichen sein, erklärt der Clubchef. „Auch für die Teilnehmer haben wir uns was einfallen lassen. Und wir werden noch Charity-Aktionen für die Region auf die Beine stellen.“

Das Leben geht weiter. Auch für den Nürburgring geht die Saison weiter, das zentrale Einsatzlager der THW auf dem Nürburgring wurde inzwischen auf umliegende Gebiete verteilt, damit die Infrastruktur den Veranstaltungen wieder zur Verfügung stehen kann. Bei aller einkehrender Normalität ist sich Mischlich bewusst, dass der Weg zurück in die Normalität für viele Menschen in der Region noch ein langer und steiniger sein wird. „Aber wir lassen hier niemanden im Stich. Wir sind Teil der Region, und hier in der Region hält man zusammen.“

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